"Neue Westfälische" vom Mittwoch, 1. März 2006

Wilde Stierkämpfe in der Kirche

Die "brAssMEN" spielten am Samstag in der Matthäus-Kirche

Von Christina Petersohn

Löhne. "Hallo ihr Narren, grüßt euch, das Funken­mariechen steht draußen bereit." Auf der Bühne stehen die fünf Männer des Blech­bläser­quintetts "brAssMEN". "Ist heut’ nicht Rosen­montag?" fragt Band­mitglied Johannes. "Oh Mann, da haben wir uns wohl im Termin vertan, na, wie baden wir das bloß wieder aus?" Ganz einfach, mit Musik natür­lich, und schon beginnt ein Streif­zug mit Trom­pete und Tuba durch das Pub­likum. Am Sam­stag begeis­terten "brAssMEN" gute zwei Stunden die gefüllte Matthäus­kirche in Löhne.

Nach dem ersten Miss­geschick an diesem Abend gibt es für die rund 200 Zuschauer als Ent­schä­digung Swing von Glenn Miller, doch was ist nun schon wieder los? In Windes­eile läuft Johannes Langen­dorf von der Bühne und ver­schwin­det hinter einer Tür. Fragend und lachend blickt ihm das Pub­likum hinter­her, der Rest der Band kann nur noch mit dem Kopf schütteln.

Aber schon ist er wieder da, mit einem schel­mischen Lächeln kehrt er auf die Bühne zurück und zeigt dem Pub­likum die in der Garde­robe verges­sene Trompete. Die Band­kollegen verzweifeln, während die gefüllte Kirche sich das Lachen nicht ver­kneifen kann.

Doch kaum fängt das nächste Stück an, steht Johannes schon wieder in den Start­löchern, um sich aus dem Staub zu machen. Diesmal aller­dings schafft er es nur bis hinter den Altar. "Mensch, Johannes, so kann das hier nicht weiter­gehen", platzt es aus Richard Meindl hinter seiner Tuba raus.

Die brAssMEN treiben Scherze auf der Bühne

Johannes M. Langendorf, Micha Klappert, Richard Meindl, Klaus Peter Diehl und Markus Motschenbacher sorgten mit ihrem Auftritt für viel Spaß.
(Foto: Christina Petersohn)

Plötzlich kommt Johannes hinter dem Altar hervor­gesprungen, seinen schwarzen Anzug hat er gegen ein Kuh-Kostüm mit Hör­nern getauscht und liefert sich nun einen wilden Stier­kampf mit Markus Motschen­bacher, der sich ein rotes Tuch um die Trom­pete gebunden hat und Johan­nes und seiner Trompete gekonnt ausweicht.

Das Ende des Spek­takels: Johannes liegt auf allen Vieren auf dem Parkett­boden, und der Rest der Band stimmt bereits die erste Trauer­hymne an. Das Publikum hält sich mittler­weile die Bäuche vor Lachen.

Entspannter wird es erst wieder, als Johann Sebastian Bach erklingt. Doch der Höhe­punkt des Abends liefert das neu­erfundene Instrument die "Latrinette": Eine mit Wasser gefüllte Toi­lette, mit der Tubist Richard versucht, mit Hilfe eines Schlau­ches ein Lied erklingen zu lassen.

Kaum hat sich das Pub­likum von diesem Sketch erholt, findet es sich auch schon in einer Quiz­show wieder. "Spielen wir doch mal Kom­ponisten raten", schlägt Johannes vor. Doch wo bleibt die Musik? Die gibt es nicht, statt­dessen hält Markus den Namen des Kom­ponisten über seinem Noten­zettel verdeckt.

"Also, ich mache es Ihnen hier nun schon ziem­lich leicht, mehr kann ich wirk­lich nicht ver­raten", scherzt er mit dem Pub­likum. Neben perfekt ein­studierten kaba­rettis­tischen Ein­lagen gibt es aber auch eine Menge Musik von Bach über Beet­hoven bis hin zu Vivaldi, die zum Reper­toire des Blech­bläser­quintetts gehört.

Gekonnt kamen Trom­pete, Tuba, Posaune und Horn zum Ein­satz, denn schließ­lich haben die Blech­bläser jahre­lange Erfah­rung in Orches­tern gesam­melt und sind seit Jahren Profis.

Doch letzt­lich stellt sich immer noch die Frage, ob es sich bei dem Kon­zert wirk­lich um ein klassi­sches Blech­bläser­konzert mit kaba­rettis­tischen Ein­lagen handelt oder doch eher um Comedy mit musi­kalischen Ele­menten.